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Spanien-Special: Obdachlosen-Aktion Madrid - Das Engelprojekt

Spanien-Special: Obdachlosen-Aktion Madrid

Engelprojekt Logo
20:00

29. Januar 2014

Wow, auch wenn die Sonne immer mal wieder durchkommt. Der Wind und dieser feine Regen, der einen blitzschnell klatschnass macht, sind wirklich ungemütlich. Kennt ihr das auch, wenn man sich einfach nur auf daheim freut, Jogginghose, Kuscheldecke, Sofa?

Zum Erfahrungsbericht von Nina

Jetzt stellt euch vor, ihr hättet weder Sofa noch Kuscheldecke noch “daheim”. Stellt euch vor, alles was ihr hättet, wäre die Hoffnung, dass El Corte Inglés heute abend wieder große Kartons rausstellt, und ihr einen abbekommt, um darin zu schlafen. Stellt euch vor, ihr würdet heute Nacht euren Schlafsack neben der M-30, im Tunnel der Calle Princesa ausrollen und dort schlafen.

Über 2000 Menschen in Madrid geht es jeden Abend so. Lasst uns einigen von ihnen ein wenig helfen. Trefft euch mit mir am Mittwoch, den 29.01.2014 um 20:00 Uhr an der Touristeninfo am Plaza Mayor. Von dort aus gehen wir los und verteilen Decken, Jacken, Handschuhe, Mützen und gern auch Essen und warme Getränke. Ich habe ein paar Sachen, jeder ist aber auch eingeladen, etwas mitzubringen, das er entbehren kann!

Meldet euch nachfolgend über unser Anmeldeformular, via Facebook oder direkt bei mir (nina@engelprojekt.org) an – oder kommt einfach spontan dazu, gern auch mit Freunden – Engeln rockt, seid dabei! Ich freu mich auf euch, Eure Nina.

go.be.loved

Engelprojekt Außenstelle Madrid –
Das Jahr 2014

Hallo liebe Engel,

Ich bin Euch ein Update über das Geengel in Madrid lange schuldig geblieben, aber hier kommt es….von Anfang an:

Ende Januar 2014 habe ich die erste “Großaktion” mit öffentlichem Aufruf gestartet: wir trafen uns, um Kleidung an Obdachlose zu verteilen. Jeder sollte mitbringen, was er hat, ich hatte selbst zwei große Kisten voller Decken, Jacken, Mäntel, Pullover und Hosen aus Deutschland mitgebracht. Die Beteiligung war mäßig – mir war damals nicht klar, dass mehrere Kirchen hier solche Aktionen zum Teil sogar drei mal wöchentlich organisieren J Drei mir völlig fremde Menschen kamen voll bepackt mit Kleidung und es waren wunderbare eineinhalb Stunden, in denen wir vielen Menschen helfen konnten, viele dankbare Worte (ich konnte zu dem Zeitpunkt noch so gut wie kein Spanisch, aber mir wurde übersetzt) und Lächeln ernteten und selbst einiges lernten…

Plaza Mayor - Engelprojekt

Plaza Mayor, 1. Engelprojekt Madrid

Allen drei Teilnehmern an der Aktion war das Engeln komplett neu, und so gab es Berührungsängste und vor allem die Diskussion, ob es sinnvoller ist, vielen Menschen jeweils nur ein Kleidungsstück zu geben, oder wenigen genug, um sich tatsächlich warm zu halten. Außerdem wurden wir zwei mal heftig beschimpft, da es in Madrid wohl politisch engagierte Menschen gibt, die finden, man solle die Faulheit der Obdachlosen nicht auch noch unterstützen – wenn man sie nur genug frieren und hungern ließe, würden sie sich schon einen Job suchen…darauf möchte ich jetzt hier nicht weiter eingehen. Eine weitere Schwierigkeit war, dass die Obdachlosen wählerisch sind…und das nicht von allen Helfern so hingenommen wurde. Dazu erzähle ich Euch später mehr.

Das ganze Jahr über gab es immer wieder kleinere Aktionen, von denen ich leider keine Bilder habe. Die meisten Obdachlosen möchten ungern fotografiert werden, aus Angst, Verwandte oder ehemalige Kollegen und Freunde könnten Bilder im Internet finden.

So haben wir (die Engel von der ersten Aktion) noch einige Male Kleidung und auch Essen verteilt, nachgefragt was fehlt und ganz gezielt Dinge besorgt. So zum Beispiel eine Jacke für einen Hund, Diät- und Welpenhundefutter, Kaffee mit Eiswürfeln und Kuchen. Worum immer und immer gebeten wird, woran ich in Deutschland niemals gedacht habe, sind neue Socken und Unterhosen in dunklen Farben. Niemand wirft Socken und Unterhosen in Altkleidercontainer, niemand möchte sie gern gebraucht übernehmen. Und trotz meines jahrelangen Engagements in diesem Bereich ist mir das nie eingefallen…doch die Obdachlosen in Madrid haben Stolz und Mut: sie sagen, was sie wollen und was nicht, fragen nach Dingen, die sie brauchen und bleiben dabei meist höflich…

Immer wenn ein paar Euro übrig sind, besorge ich Socken in den Größen 35-38 und 43-45 und Unterhosen in S und M, in möglichst dunklen Farben…immer dringend benötigt!!!

Immer wenn ein paar Euro übrig sind, besorge ich Socken in den Größen 35-38 und 43-45 und Unterhosen in S und M, in möglichst dunklen Farben…immer dringend benötigt!!!

…bei einer ganz wundervollen Sandwich-Aktion im Sommer (das ganze Team, inklusive der Praktikanten, meiner Kita war unterwegs), bei der wir selbstgemachte Sandwiches verteilt haben, war ich absolut überwältigt vom Glauben eines Mannes. Wir hatten Brote mit Käse, Salami und Tomatenscheiben belegt und mit kalten Getränkedosen, gekochten Eiern und Obst verteilt. Ein Mann hatte sichtlich schrecklichen Hunger, packte sein Sandwich aus, öffnete es und fragte: “Was ist da drauf?” – ”Wurst, Käse…” – “Oh, dann danke, nein.”, packte es wieder ein und gab es zurück. Wir waren alle absolut verwirrt. Was er denn daran nicht möge – “Nein, nein, es ist sehr lieb, danke. Aber ich kann die Wurst nicht essen, die ist wahrscheinlich aus Schwein.” – Ein Moslem, der selbst im allergrößten Hunger nicht einmal das Sandwich essen wollte, das von der Salami berührt worden war (er hätte sie ja runternehmen können). Ich war überwältigt. Da Ziel dieser Aktion war, den Menschen nicht nur Essen, sondern auch Gesellschaft zu geben, hatten wir selbst Sandwiches dabei und weil zum Glück die meisten von uns Vegetarier und Veganer sind, war schnell ein Sandwich für den Mann gefunden, und auch noch ein zweites – er hatte wirklich schrecklichen Hunger. So viel Kraft und so viel Gottvertrauen. Es bewegt mich selbst ein halbes Jahr später noch, wenn ich darüber schreibe.

Wo wir wieder dabei sind, dass auch Obdachlose Ansprüche stellen, hier in Madrid mehr als ich es irgendwo je gesehen habe. Ja, sie nehmen im Sommer eine Flasche Wasser an, aus der ich gerade trinke. Ja, sie möchten die Hälfte von meinem schon angeknabberten Gebäck…aber rosane Unterhosen für Männer??? Heißer Kaffee ohne Eiswürfel??? “Hast Du die Jacke nicht auch in ner Nummer kleiner???” – mittlerweile schmunzle ich und bin froh, dass diese Menschen sich noch als Menschen mit dem Recht auf eigene Meinung und Würde und Geschmack fühlen.

Betteln und wählerisch sein – geht das zusammen?

Betteln und wählerisch sein – geht das zusammen?

Am Anfang war es ungewohnt und ich habe bei vielen Aktionen mehr Kraft darauf verwendet, enttäuschte Helfer zu trösten, als selbst mit den Obdachlosen in Kontakt zu sein. Aber genau dafür bin ich ja hier – Engel missionieren 😉 ! Und ich liebe es. Aber deshalb starte ich auch ab und zu Aktionen ganz allein. Tüten mit Sandwich, Obst und Getränk, Unterwäsche, einfach nur Gespräch (ja, mittlerweile kann ich das) anbieten und die Reaktionen aufnehmen – das erfüllt mich mehr als alles andere, das ist mein Herz. Wie dringend viele Leute auf der Straße es brauchen, dass man sie anspricht, nicht nur 20 Cent in den Becher wirft. Wie zunächst gerührt und dann im Redefluss nicht mehr aufzuhalten sie sind, wenn man zwei Kaffee bringt, und sich zu ihnen setzt…

Da es mir sprachlich noch nicht leicht fällt, im ganz großen Stil Aktionen und vielleicht sogar eine Organisation anzuleiten, gebe ich mich damit zufrieden, fürs Erste Menschen für die Bedürfnisse der Obdachlosen zu sensibilisieren und in meinem Umfeld Leute zu begeistern, zu helfen – mit Erfolg 😉 Ich bringe regelmäßig Kleiderspenden von Kolleginnen zur Kleiderkammer; die fremden Leute von den Engelaktionen berichten mir Monate später, dass sie wieder unterwegs waren und fragen, wann ich wieder etwas starte; ich konnte Mitglieder meiner Kirche dafür gewinnen, zu spenden und selbst Sachen verteilen zu gehen und wenn ich nicht da bin, bringen meine Kolleginnen “meinen Jungs” vor der Kirche manchmal ihren Kaffee.

Ich halte regelmäßigen Kontakt zu einem obdachlosen Engländer, den ich bei der Sandwich-Aktion im Sommer kennengelernt habe, zu den beiden Männern, die täglich vor der Kirche gegenüber meiner Kita betteln (aka “meine Jungs”, sie nennen mich meistens “mujer” – “Frau”) und einer Frau, die bettelt, aber nicht obdachlos ist an meiner Metrostation. Viele andere kennen mich und ich kenne sie und so kann ich viel besser helfen. Ich weiß zum Beispiel, dass J.-C. sauer wird, wenn der Kaffee zu heiß ist, und immer Eis drin sein sollte, dass er keine Milch verträgt und dass F.s Freundin sehr, sehr krank war, es ihr aber jetzt besser geht…P. ruft mich an, wenn er Hilfe braucht, und wenn ich kann, bin ich zur Stelle. Wenn nicht, kann ich zumindest mit ihm reden.

Frühstück für “meine Jungs” – das geht nicht jeden Tag, aber wenn, freuen sie sich und ich mich mit.

Frühstück für “meine Jungs” – das geht nicht jeden Tag, aber wenn, freuen sie sich und ich mich mit.

Eine ganz besondere Doppel-Aktion für mich fand im November statt. Mein Hauskreis (aka Beste Homezone wo gibt) hatte Geld gesammelt, damit ich Sachen für Obdachlose kaufen konnte. P. aus England lief zu der Zeit täglich ca. 40 Kilometer mit seinem Hund und dem seiner Freundin, um sie im Krankenhaus außerhalb der Stadt zu besuchen und dann aber in der Stadt zu betteln, damit Geld reinkam. Das alles bei nassem Oktoberwetter (auch wenn das hier noch nicht so fies ist wie in Deutschland) – in drei Jahre alten Fliflops. Als ich ihm erzählte, ich habe Geld geschenkt bekommen, um ihm zu helfen und was wir davon nun kaufen sollten, war er absolut verwirrt. Schuhe. Klar. Also verabredeten wir uns, und gingen Schuhe shoppen. Die Hunde sind es nicht gewohnt, allein zu sein, also wartete ich vor jedem Geschäft mit ihnen und P. probierte Stiefel an. Er hatte zunächst Scheu, und schaute dauernd nur nach dem Preis, ich sagte immer wieder, es spiele keine Rolle, bequem sollen sie sein und er glaubte mir nicht, bis ich ihm das Limit nannte…da strahlte er und sagte, dann wolle er die Dunkelgrauen aus dem letzten Geschäft. Wunderbar. Die wurden es dann auch und eine Woche später sagte er mir am Telefon, er gehe immernoch wie auf Wolken.

Die zwei Hunde und ich an seinem Platz mit den neuen Schuhen – alle zufrieden.

Die zwei Hunde und ich an seinem Platz mit den neuen Schuhen – alle zufrieden.

Mit dem Rest vom Homezone-Geld kauften meine liebe Jenny und ich Unterhosen und Socken und liefen durch die Stadt, um alles zu verteilen. Wie schön mit guten Freunden Gutes zu tun!

Jenny und ich, Puerta del Sol, Madrid

Jenny und ich, Puerta del Sol, Madrid

Kurzum: 2014 lief engeltastisch, wenn auch nicht in ganz so großem Format, wie ich es mir 2013 erhofft hatte. Aber wie der Spanier sagt: poco a poco – Schritt für Schritt! Ich engel hier weiter und freue mich über jeden, der mitmachen möchte. Die nächste öffentliche Aktion wird wieder eine Kleiderspende Anfang März sein, wenn wir unsere Wintersachen hier aussortieren können, es aber nachts auf der Straße noch ziemlich kalt ist. Und im Laufe des Jahres werde ich versuchen, mich bei der spanischen Kirche, die die Kleiderkammer betreibt zu engagieren (das ist zur Zeit nicht nur zunächst sprachlich, sondern viel mehr auch zeitlich ein Problem, da die Freiwilligendienste hauptsächlich an Werktagen vormittags stattfinden und ich Vollzeit arbeite). Kleine und spontane Aktionen laufen weiter und wer noch Ideen hat, oder mal mitgehen möchte, kann sich gern bei mir melden!

Engeln rockt!

Liebste Grüße aus Madrid, Nina

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    Di, 24. Jun 2014

    Meine Name ist sogar Engel, die Idee ist sehr schön, und jeder hat natürlich ein Erlebnis von dem er sagen kann, das ein Engel ( Schutzengel ) in dies...


    Di, 18. Feb 2014

    Mir gefällt die Idee der Seite sehr gut - auch die T-Shirts schauen super aus! Weiter so :)...


    Mo, 23. Dez 2013

    Ich wurde auch bei der Einpack-Aktion in Mainz 'beengelt' und finde es fantastisch, dass sich Leute die Zeit nehmen, anderen einfach etwas Gutes zu tu...